Die Ritter - ehrbar und anständig
Neulich waren Familienmitglieder bei einer Ritter-Turnierveranstaltung im Bayrischen. Völlig begeistert kamen sie zurück. Dabei ging es nicht nur um das Turnier selbst, um das ganze Flair, das so eine Veranstaltung, wenn sie richtig aufgezogen ist, ausmacht. Was fasziniert uns eigentlich an den Rittern und am Mittelalter?Das Rittertum und das Mittelalter haben schon immer fasziniert, außer wohl die Leute, die es selbst im Mittelalter erlebt haben. Viele Kriege, oft wenig zum Essen, Krankheiten und keine richtige Medizin, schlechte Wohnverhältnisse usw. Das alles steht in völligem Kontrast zu dem, was uns gern überliefert wird.
Würden wir z. B. Walther von der Vogelweide glauben, bekanntlich der große Lyriker des Mittelalters, wäre diese Zeit nur von eitlem Sonnenschein geprägt. War aber mit Sicherheit nicht so und letztlich haben wir auch keine Belege dafür, was in dieser langen Zeit zwischen ungefähr 500 bis 1500 so alles passierte. Einzelheiten, ja, und wenn, dann über die besser Gestellten, auf keinen Fall über die einfachen Leute.
Aus den Kriegern, die damals umherzogen und überwiegend plünderten entstand ein Rittertum mit den Idealen, die wir in ihnen gern sehen. Hier ist wohl der Ansatz zur Verklärtheit dieser Zeit und dem Rittertum. Das war aber auch bei den Rittern nur am Anfang so und wie es immer im wahren Leben ist, kommen den gut Gesinnten auch schlecht Gesinnte hinzu und das war das Raubrittertum.
Raubritter, den Begriff kennen wir heute noch gut und wenn wir an die Bankenkrise denken, sind wir vom Mittelalter nicht gerade weit entfernt. Vielleicht liegt es an unserer Ohnmacht, die wir gegenüber den Bankern verspüren, die gewissenlos und ohne Skrupel, nur den eigenen Profit vor Augen, anderer Leute Geld verjubeln. Und wenn man den neuesten Nachrichten Glauben schenken kann, haben sie auch nichts dazu gelernt. Sicherlich auch nichts lernen wollen, denn die Triebfeder dazu steckt tief - eben im Raubrittertum.
Sie meinen wir alle sollten etwas dazu gelernt haben? So in Richtung "ehrbar und anständig"? Nein, wie auch. Das Raubrittertum liegt nur ungefähr 15 Generationen zurück. Zu wenig im großen Zeitrahmen der Menschheit. Leider, und so müssen wir immer wieder von neuem lernen, wirklich Selbstverantwortung zu übernehmen und nicht nur den Versprechungen der anderen zu glauben - den Raubrittern in Anzug und Krawatte.
Die Sehnsucht nach dem edlen Ritter wird wohl immer eine Fata Morgana bleiben.
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