Nachdem sich die Diskussion über die Sonntagsruhe etwas geglättet hat, kann man jetzt mehr in Ruhe über das Karlsruher Urteil nachdenken. Dass überhaupt das Gericht in Karlsruhe darüber entscheiden musste, dass wenigstens ein Tag in der Woche Ruhe herrschen sollte, ist für mich ein Witz.
Nicht nur weil das schon im Buch Genesis steht, dass der siebte Tag in der Woche ein Ruhetag sein soll, nein, der Mensch ist einfach keine Arbeitsmaschine, auch wenn sich das Herr Wowereit von Berlin sich so vorstellt. Denn anders kann man seinen Kommentar zum Karlsruher-Urteil nicht erklären, wenn er in etwa so sagte, dass ein Sonntag, an dem nicht eingekauft werden könnte, nicht mehr zeitgemäß sei. Kapitalismus und Maximierung des Profits pur, und das von einem SPD-Mann, dessen Partei doch die arbeitende Bevölkerung vertritt.
Natürlich schön für die, die nicht hinter der Ladentheke stehen und deren Familien allein zuhause sitzen. Überhaupt Familie! Vielleicht haben Sie im Fernsehen auch den guten Mann gehört, der sagte, dass heute im Grunde genommen die Familien sowieso nicht mehr wissen was sie zusammen unternehmen sollen, und deshalb ist der verkaufsoffene Sonntag gut, da können man wenigsten gemeinsam shoppen und sich in den Kaufhäusern amüsieren. Vermutlich hat der Mann sogar Recht, auch wenn das ja wirklich mehr als traurig ist.
Da bekanntlich der Umsatz nicht dadurch gesteigert wird, wie lange und wie oft man einkaufen kann, sondern dass er davon abhängt, wie viel Geld die Leute ausgeben wollen und können, bringt eine Erweiterung der Öffnungszeiten auf Sonntag kaum etwas. Das was dieser Tag für viele wirklich bringt, ist Hetze und Stress. Haben wir die Diskussion über Stress, ausgebrannt sein, Erfolgsdruck im Betrieb, im Sport und zu Hause schon vergessen? Dann war das Signal von Robert Enke ja ganz umsonst und als solches wollte man es doch verstehen.
Diejenigen, die die Bibel geschrieben haben, waren ja auch nicht ganz dumm und haben schon damals gesehen, was passiert, wenn der Mensch nur noch arbeitet. Eine religiöse Schrift ist immer auch ein Verhaltenskodex für das tägliche Leben und nicht nur eine fromme Schrift. Das ist bei allen Religionen so, nur nicht bei der "Religion" des Atheismus. Vielleicht kommen die aber auch noch drauf, man sollte ja die Hoffnung nie aufgeben.
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