Rom - Das Paulusgrab
Nun ist es also offiziell: Der Heilige Paulus liegt tatsächlich in seinem Grab. Oder nicht? Ist es überhaupt so wichtig, dass er es "leibhaftig" ist. Keiner kann es beweisen, haben wir doch keinen DNA-Vergleich.Die Wahrscheinlichkeit ist natürlich hoch. Warum? Die Begräbnisstätte liegt "vor den Mauern". Im alten Rom, eben zu der Zeit als Paulus lebte, war auch Rom wesentlich kleiner, wenngleich es damals schon eine Weltstadt war. Diejenigen, die etwas auf sich hielten, auch nach dem Tode, ließen sich an den großen Ausfallstraßen Roms beerdigen. Bekannt dafür ist ja auch die Via Appia. Im Falle des Paulus ist es die Straße nach Ostia und die Begräbnisstätte lag tatsächlich vor den Mauern Roms.
Der Sinn der Begräbnisstätten an der Straße war, dass "man gesehen" wurde. Zwar nur das Grab, aber immerhin. Man blieb im Gedächtnis der Leute und die, die aus fernen Gegenden vorbeikamen, fragten natürlich, wer da wohl begraben liegt.
So gesehen könnten sich die Christen damals gesagt haben, wenn Paulus an der Straße beerdigt ist, dann bleibt er nicht nur allen im Gedächtnis, auch diejenigen, die Paulus nicht kannten, erfahren nun vom ihm und von seiner christlichen Botschaft. Also, eine gute Beerdigungsstätte und eine Art von Marketing zugleich.
Der Ort wurde von Anfang an verehrt und Kaiser Konstantin errichtete eine Gedächtniskapelle über dem Grab. Die Kaiser Valentinianus, Theodosius und Arcadius stifteten 386 eine Basilika: San Paolo fuori le Mura. Es muss eine sehr schöne Kirche gewesen sein, denn sie war bis zum Bau der Peterskirche die größte und schönste in Rom. Im Juli 1823 ist sie abgebrannt und dann wurde die gebaut, die wir kennen. Eine der sieben Hauptkirchen Roms.
Ich halte es nicht für sinnvoll im Grab des Paulus herum zu graben und am Ende noch die Fundamente zu beschädigen. Denn im Untergrund befinden sich nach wie vor die Reste der alten Kirchen. Wenn festgestellt wurde, dass die Knochenreste fast 2000 Jahre alt sind, was will man dann noch mehr? Lassen wir doch den Paulus ruhen in Frieden, sein Rätsel, ob er es nun ist oder nicht, behalten. Paulus wird verehrt, so oder so, und er bleibt für immer derjenige, der aus einer Provinzreligion eine Weltreligion machte.
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