16.11.09

Fußball ist unser Leben

So klingt es doch noch in unseren Ohren, oft gehört, nicht nur bei Meisterschaften. Und jeder hat gern mitgesungen. Jetzt hört man ganz andere Töne von der deutschen Fußballführung: Fußball ist nicht alles!

Ich bin kein Fußballfan und Fußball ist höchstens eine Randerscheinung in meinem Leben. Aber ich kenne Robert Enke, vom Fernsehen, nicht persönlich. Und dennoch berührt einen so ein Freitod allemal, man wird nachdenklich, was ging in so einem Menschen vor, was führte dazu und, gibt es wirklich eine Lösung.

Von außen betrachtet sind viele Menschen schnell dabei mit: Hätte, sollte, man müsste usw. Ein Bekannter von mir wählte auch den Freitod. Wenn man einen Menschen persönlich kannte, berührt einen das natürlich noch viel mehr. Hoch angesehen, beruflich äußerst erfolgreich, Familie, beliebt, ähnlich dem Robert Enke, und dennoch ist keiner wirklich an ihn rangekommen. Warum fragt man sich, trotz vieler Bemühungen von außen.

Ich las mal eine Studie zum Freitod. Hier wurde gesagt, dass diese Menschen an einem fehlenden Mechanismus leiden, der im letzten Moment vor dem Freitod das Kommando "zurück" ausgibt. Eine Krankheit also, vor der so mancher nicht gefeit ist und sich dessen auch nicht so bewusst ist, dass es sich behandeln lassen würde.

Das soll den Tod von Robert Enke nicht relativieren, im Gegenteil, denn auch diese Krankheit hat einen Verlauf, einen persönlich tragischen, begleitet von Depressionen und ein Leben in einem Bewusstsein, aus dieser Situation nicht herauszukommen. Da hilft es nicht hinterher zu sagen, hätte er sich doch einem anderen anvertraut. Viele können das nicht, da der befürchtete "Gesichtsverlust", das Eingestehen des eigenen Versagens, das Problem verschärft und nicht verbessert.

Jeder will nach vorne, will etwas mehr Ansehen oder mehr Geld. Jeder Torwart der denkt, "Klasse", jetzt werde ich Nummer 1, bin ganz oben angekommen, es sei im wirklich gegönnt, hat sich bereits vom guten Vorsatz getrennt, das Leben und auch den Sport nicht zu ernst zu nehmen, aus der Vergangenheit zu lernen, auch mal Schwächen zugeben ...

Und sind wir mal ehrlich, in einer Gesellschaft, in der immer nur der Erste zählt, der zweite Sieger bereits der erste Verlierer ist, sind solche Bekenntnisse, dass es noch etwas anderes gibt als Fußball, Karriere, Erfolg, Macht usw. nicht gerade glaubwürdig. Im Moment des Todes eines Menschen zwar ernst gemeint, aber z. B. bei nächsten Fußballspiel bereits schon wieder vergessen.

So ist er halt, der Mensch. Machen wir uns nicht besser als wir sind und ganz schnell werden wir wieder singen: Fußball ist unser Leben ......

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