14.10.09

Kriegsende - Geschichten aus einer vergangenen Welt

Vielleicht kennen Sie den kleinen Witz: Unterhalten sich zwei Buben über das Alter ihrer Omas, wobei der eine auftrumpft und sagt: "Meine Oma ist so alt, die kannte noch Dinosaurier". Erzählen wir unseren Enkeln etwas von der Nachkriegszeit, werden wir auch angesehen, als wären wir gerade dem Geschichtsbuch entsprungen.

Gerade bei unserem 60-jährigen Republik-Jubiläum fallen einem immer wieder mal Dinge von damals ein und man vergleicht, was sich alles geändert, verbessert oder verschlechtert hat.
Aufgewachsen am Rand einer Großstadt , hat man auch als Kind gespürt, dass die Versorgungslage mehr als schlecht war. Kohlen wurden von fahrenden Güterzügen "organisiert". Die jungen Kerle sprangen rauf und warfen die Kohlen runter, die Älteren am Bahndamm lasen sie schnell auf.

Man bettelte auf den Bauernhöfen um Arbeit um Naturalien mit nach Hause nehmen zu können. Viele Frauen arbeiteten im Forst und machten Holz, eine Knochenarbeit und das auch im Winter. Manche buddelten Wurzelstöcke von Fichten und Kiefern aus, um Brennholz zu haben, die Arbeit glich einer endlosen Geschichte. Die meisten waren überhaupt nicht versichert, auch nicht krankenversichert. Dazu hatte man kein Geld und wenn man wirklich krank wurde, mussten die Hausmittel her. In den Läden gab es wenig und wenn, dann war es schnell weg oder zu teuer.

Jeden Abend gab es eine Stromsperre, zwei drei Stunden lang. Heute würde man "ausrasten", wenn man es den Leuten nur einen Tag zumuten würde. Die "Müllabfuhr" kam selten und wenn, kam einer mit einem Pferdefuhrwerk und warf den Eimerinhalt per Hand auf den Wagen.

Zum Anziehen gab es Kleidung und Schuhwerk von irgendwelchen Leuten und als Kind war das manchmal peinlich. Aber das Beste: Am Schulbeginn gab es keine Hefte und Bleistifte. Es wurde noch auf Schiefertafeln mit einem Griffel geschrieben. Und wenn man etwas schönes gemalt hatte, musste das wegen einer Schreibübung wieder weggewischt werden. Das war ja fast tragisch. Und wehe, eine Tafel ging zu Bruch.

Ja, so könnte man noch ein Stück weitermachen und viele könnten noch etwas hinzufügen. Wenn ich nun dagegen die heutigen "Krisen" mir ansehen, und das Gejammer von unseren "so armen" Familien, gut genährt in prima Klamotten vor dem Flachbildschirm, frage ich mich schon manchmal, wo wir mit unserem Wohlfahrtsstaat hingekommen sind.

Keiner will die Verhältnisse von damals, ganz klar, aber bei jeder Kleinigkeit gleich nach dem Staat rufen? Wir Rentner haben den Vorteil gegenüber unseren Enkeln, dass angesichts dessen, was hinter uns liegt, wir der Zukunft, auch wenn sie für manche grau oder dunkler aussieht, immer noch etwas positives abgewinnen können - schlimmer als damals kann es nicht kommen.

So, und wenn wir das unseren Enkeln erzählen ist es doch ganz klar, dass diese meinen, das sind Geschichten "aus einer vergangenen Welt".

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1 Kommentare:

Anonymous carmen meinte...

Das ist wirklich die Geschichten die das Leben schreibt...sehr schade ist das...

15. Oktober 2009 08:54  

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