So viel gab es noch nie für unser Geld
Derzeit bekommt man viel fürs Geld, bei einer Inflationsrate um die Null. Natürlich freut das jeden und kein Verbraucher hätte etwas dagegen, wenn das noch eine Weile so anhalten würde. Kann das aber anhalten, bei der Staatsverschuldung und dem schlechten Einkommen der Lebensmittelerzeuger am Anfang der Versorgungskette? Thomas Straubhaar vom Weltwirtschaftsinstitut in Hamburg prognostiziert für 2011 eine Inflation, die zwischen 5 und 10 % liegt. Der Staat braucht Geld, das ist ganz einfach. Und er nimmt es von uns Steuerzahlern, das ist auch ganz einfach.
Bei all dieser Diskussion ist es aber einmal wichtig zu wissen, wo kommen wir "preislich eigentlich her". Gerade auch die Umstellung von DM auf Euro führte dazu, dass viele Geschäfte meinten, man können die Preise 1:1 umrechnen, was letztlich aber dann auch diese Leute einsehen mussten, dass das nicht geht. Geblieben ist aber das Gefühl, es ist alles teurer geworden. Stimmt auch nicht immer, und so sind viele Preise seit 1970 quasi gefallen, wenn man davon ausgeht, dass man für sie oft wesentlich kürzer arbeiten muss.
Der Rinderbraten ist ein gern verwendetes Beispiel, da Rindfleisch teuer ist. Für ihn mussten 1970 115 Minuten gearbeitet werden, heute nur noch 35 Minuten. Für Schweinekoteletts 96, heute 23 Minuten. Für 10 Eier 22 und heute 5 Minuten. Sehr gut sieht man es bei Milchprodukten, die in der letzten Zeit immer wieder in der Diskussion stehen, da die Bauern für ihre Milch Hungerlöhne bekommen. Für 250 gr. Butter arbeitete man 1970 noch 21 Minuten, heute sind es nur noch 4 Minuten. Milch: damals 9 Minuten, heute 3 Minuten.
Auch als Rentner muss man sagen, weiter runter ist unverantwortlich - aber auch die, die nicht soviel verdienen müssen da zustimmen. Haben Lebensmittel keinen Wert mehr, verlieren wir den Bezug zu den "Mitteln zum Leben"?
Neulich stand ich im Supermarkt und las, dass eine Gurke aus Spanien 36 Cent kostet. Wie kann man eine Gurke zu dem Preis produzieren und zu diesem Markt bringen? Der Erzeuger hat vermutlich nichts mehr davon. Die spanische Landschaft wird demoliert und zudem Massen an Spritzmittel sowie Wasser verbraucht. Das eine hilft nur der chemischen Industrie und das andere fördert den akuten Wassermangel des Landes.
Ja was tun, fragt man sich? Ich weiß es auch nicht? Nicht kaufen, hilft dem Erzeuger wohl letztlich auch nichts; kaufen, dann nimmt man teil an dem, was ich oben beschrieben habe. In meiner Unentschlossenheit habe ich keine Gurke gekauft.
Labels: 60 Jahre Bundesrepublik, Deutschland, Essen und Trinken, Natur




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