Vertrauen
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, sagen wir manchmal. Mit der Kontrolle ist das aber so eine Sache. Begibt man sich in die Hände eines Chirurgen und somit natürlich in sein Vertrauen und man ist hinterher tot, ist es mit der Kontrolle auch nicht mehr weit. Da haben es unsere Politiker schon schwerer; wird gelogen, merkt man das bald und man braucht sie das nächste Mal nicht mehr wählen.Zum Glück ist nicht alles gleich so dramatisch wie beim Chirurgen. Dennoch, sieht man sich Umfragen an, wem die Leute in Europa vertrauen, dann kann man doch immer wieder staunen. Dass Feuerwehrleute und Piloten ganz oben in der Vertrauensskala liegen ist normal und überrascht nicht. Interessant ist schon mal, dass die Krankenschwestern vor den Ärzten liegen. Aber deshalb sollten auch sie nicht operieren.
Was mich aber am meisten überraschte war, dass die Meteorologen noch vor Priestern bzw. Geistlichen stehen und das bei den Wettervorhersagen. Die Geistlichen, quasi letzte Instanz vor Gott, liegen im Vertrauen der Europäer bei knapp über 50 %. Der Geistliche war doch immer der Hort des Vertrauens schlechthin und der Beichtstuhl ein Synonym dafür. Ich glaube, dass dieser Stand auch noch etwas aufzuarbeiten hat.
Dann folgen Richter, Rechtsanwälte Gewerkschaftler, Journalisten und die beiden letzten sind die Autohändler und Politiker. Das überrascht nun auch wieder nicht. Dass man aber den Autohändlern immer noch doppelt soviel vertraut als einem Politiker, überrascht allerdings dann doch wieder, angesichts der Rostlauben, die früher für gutes Geld verkauft wurden.
Nun kann man sich fragen, ist es derzeit einfach "schick" auf Politiker zu schimpfen und ihnen zu misstrauen? Sicherlich gibt es hier viel Ungerechtigkeit und man stülpt vielen den Hut der Bestechlichkeit über die es nicht verdient haben. Angesichts eines Berlusconis aber, der ständig auf der Flucht vor den Richtern ist, englischen Abgeordneten, die sogar Klopapier auf Staatskosten kaufen, eines französischen Präsidenten, dessen erster Akt im neuen Amte die Scheidung von seiner Frau ist, da wird man doch schon nachdenklich und fragt sich: Mache ich etwas falsch?
Ob unsere Politiker auch Klopapier auf Staatskosten kaufen weiß ich nicht, aber so ein Amt verführt, macht abgehoben und zum Schluss kommt man sich noch wirklich wichtig vor, obwohl jeder von ihnen ganz schnell ersetzt werden kann. Haben wir nicht aber auch etwas Schuld an der ganzen Situation? Wollen wir nicht manchmal angelogen werden, weil es sich doch so schön anhört und Träume weckt? Wehe wenn einer die Wahrheit vor der Wahl sagt, den sieht man nicht wieder, der wird vom Volk sofort abgestraft.
Also nur 7 % aller Europäer vertrauen den Politikern! Haben sie die schlechte Zahl tatsächlich verdient oder brauchen wir einfach Buh-Männer und -Frauen? Wie steht es denn eigentlich mit dem Vertrauen, das andere in uns haben?
Labels: Politik




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