12.5.09

Gewalt kann man sich anerziehen

Das Gehirn ändert sich mit seiner Benutzung, so der Ulmer Hirnforscher Manfred Spitzer. Das trifft für jung und alt zu. Somit eine gute Nachricht für uns Ältere, die ja meinen, im Alter kann man nichts mehr dazu lernen.

Das sich ständig neuen Situationen oder Denkoperationen anpassende Gehirn ist faszinierend. Wenn wir Älteren uns mit einer Sache beschäftigen die uns anfangs zwar Mühe macht, so kann man doch nach einer gewissen Zeit feststellen, dass sie bald besser von der Hand läuft, der Geist wacher wird usw. Das Gehirn wird, wenn man so will, neu "verknotet", es bilden sich weitere Synapsen bzw. diese prägen sich stärker aus. Das ist bewiesen und steht außer Frage.

Wenn das nun schon bei uns Älteren funktioniert, dann doch noch viel besser bei jungen Menschen. Und dem ist auch so. Will man im Beruf, Sport oder anderswo fit und gut sein beschäftigt man sich automatisch intensiv mit der jeweiligen Sache. Man wird dann ein Profi auf seinem Gebiet und anerkannt.

Jeder wird das bestätigen, dass es so ist. Kaum sind wir aber auf dem Feld der aggressiven Computerspiele wird diese Tatsache vehement verneint. Computerspiele, so heißt es, beeinflussen nicht das Gehirn. Das Gehirn kann immer noch zwischen Spiel und Realität unterscheiden. Wirklich? Auch wenn die Synapsen im Gehirn auf Aggressivität getrimmt sind?

Ich bin für ein Verbot solcher Spiele und frage mich, wann die Politiker sich davon überzeugen lassen. Will man etwa mit der persönlichen Freiheit argumentieren, dem uneingeschränkten Tun und Lassen je nach Lust und Laune. In einem Rechtsstaat ist die persönliche Freiheit ein hohes Gut. Wenn aber einige nicht wissen, dass die eigene Freiheit dort endet, wo die Freiheit des anderen beginnt, müssen Grenzen gesetzt werden und das hat mit Freiheitsberaubung, Polizeistaat oder was weiß ich nichts zu tun.

Wenn eine 16-jährige, so mal Stand der Dinge im Moment, eine Schule abfackeln will, nimmt sie die Tötung anderer vorsätzlich in Kauf; wie jeder andere Amokläufer auch. Sicherlich ist bei den Kindern noch eine Portion Liebesentzug von Zuhause mit dabei und einige andere Aspekte, aber das Gewaltpotenzial, die Tat wirklich umzusetzen, haben sich die Kinder selbst beigebracht. Und da bietet die elektronische Unterhaltung eine Palette an, die wir Älteren uns gar nicht vorstellen können.

Sieh auch mein Post: Gewalt gebiert Gewalt

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