22.1.09

Die Bundeskanzlerin bei den Stasiakten

118 km Stasi-Akten! Können Sie sich das vorstellen? Von meinem Heimatort Ulm über Stuttgart hinaus auf der Autobahn eine Akte nach der anderen, aber nicht der Länge nach, hochkant.

Unsere Bundeskanzlerin Merkel besuchte letzte Woche in der Normannenstraße in Berlin die Ex-Stasi-Zentrale. Sie ist für ein weitere Aufarbeitung der Fälle, ganz im Gegensatz zu unserem Innenminister Schäuble, der bei der Wiedervereinigung nichts davon hielt, die Akten frei zugeben.

Nun darf man sich bei dieser Behörde es sich nicht so vorstellen, dass ein Papier nach dem anderen sauber abgeheftet ist, ja, das ist in den überwiegenden Fällen zwar schon so, aber da gibt es noch säckeweise Papierschnipsel von Reißwölfen, die elektronisch gesichtet und dann zum DIN A4-Format zurückverwandelt werden. Toll, oder!

Viele ehemalige Bürger der DDR werden sich natürlich immer wieder fragen, soll ich dort auch mal hingehen und in die Akten reinschauen? Am Ende bin ich entsetzt und es wäre besser es nicht getan zu haben.

Ich kenne solche Akten, nicht die meine, aber erschreckend war es auch für mich sie zu sehen. Mit welch riesigem Personalaufwand, mit welch großer Akribie zu den unmöglichsten Tageszeiten die Menschen beobachtet wurden, es ist nicht zu fassen. Beobachtungsorte wurden festgelegt, von denen Tag und Nacht die Zielpersonen ins Visier genommen wurden. Und nicht nur von einer Person, oft waren es mehrere Standorte, aus verschiedenen Richtungen, damit auch jedes Detail erfasst werden konnte. Alles wurde haarklein aufgeschrieben, oft in einer saumäßigen Grammatik.

Hinzu kam: Wer konnte wem trauen? Leute, die noch nie in einer solchen Situation gelebt haben können sich kein Bild davon machen. Die ständige Angst, wird man beobachtet, hat man an irgendeiner Stelle etwas falsches gesagt und es hat einer gehört, der es hätte nicht hören sollen? Wer waren eigentlich wirklich unsere Nachbarn auf dem Campingplatz oder neulich in der Bahn?

Viele sind froh nichts gefunden zu haben, was Freunde belastet. Manchen wurden aber die Augen geöffnet und man muss aufpassen, nicht so ungerecht zu werden, wie die, die einen damals bespitzelt haben. Ich habe gesehen, dass es weh tut und schmerzt, von Freunden verraten worden zu sein.
So kann man nur hoffen, dass beide irgendwann ihren Frieden finden - der Spitzel und der Bespitzelte.

Labels: , ,

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Links zu diesem Post:

Link erstellen

<< Startseite