2.12.08

Die Sperlinge aus Lehm

In den verborgenen Bücher der Bibel, auch Apokryphen oder Pseudoepigraphen genannt, stehen Texte, die es nicht bis zur "offiziellen Anerkennung" geschafft haben. Bei manchen auch gut so. Dennoch passen für die Weihnachtszeit die Kindheitserzählungen des Thomas (Thomasevangelium) über die Jugendtaten von Jesus ganz gut.

Der Jesusknabe wird hier als übermütiges Wunderkind dargestellt. Obwohl die Geschichten oft formale Übereinstimmungen mit den neutestamentlichen Wunderberichten haben, stehen sie keinesfalls im Geiste des Neuen Testamentes. Man sollte sie daher unter dem Blickwinkel frommer Geschichten bzw. Legenden oder Fabeln sehen. So auch die Erzählung "Die Sperlinge aus Lehm".


Das Knäblein Jesu, als es fünfjährig geworden war, spielte einst an der Furt eines Baches und leitete die dahinfließenden schmutzigen Wasser seitwärts in Gruben zusammen und machte sie sogleich klar, und zwar durch´s Wort allein gebot er über sie.
Und er machte aus der Erde und Wasser einen schlammigen Lehmteig und formte daraus zwölf Sperlinge. Und es war Sabbat, als er das tat. Es waren aber noch viele andere Kinder mit ihnen zusammen beim Spiel.

Es sah aber ein Jude, was Jesus da beim Spielen am Sabbat tat, und ging spornstreichs hin und meldete seinem Vater Joseph: "Siehe, dein Knäblein steht da am Bach und hat Lehm genommen und zwölf Vöglein draus geformt und mit dieser Arbeit den Sabbat entweiht." Und Joseph kam an den Platz, sah´s und schrie in an: "Warum tust du am Sabbat solche Dinge, die zu tun doch nicht erlaubt ist?" Jesus aber klatschte in seine Hände und rief den Sperlingen zu und sagte ihnen: "Auf! Davon!" Und die Sperlinge schlugen mit den Flügeln und machten sich schreiend davon.

Als aber die Juden das sahen, da erschraken sie und gingen hin und erzählten ihren Oberen, was sie Jesus hatten tun sehen.

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