25.9.08

Am Ökosprit scheiden sich die Geister

Eines der ersten Dinge, die mir in Brasilien auffielen war, dass an den Tankstellen "Alcool" stand und ich damals nicht recht wusste, was das für ein Treibstoff ist. Beim Nachfragen hierzu erfolgte die Aufklärung auf dem Fuße und ab da an begann ich mich auch für diese Art von Kraftstoff zu interessieren.

Nun weiß man ja, nicht nur aus Zuckerrohr kann man Ethanol gewinnen, auch aus viele andere Pflanzen kann man Kraftstoffbeimischungen herstellen. Eine exotische Variante war für mich die, bei der Gras von der Wiese der Ausgangsstoff war. Hierbei kann man sich überlegen, wie viel Wiese dazu gemäht werden muss, um auf eine sinnvolle Menge zu kommen.

Brasilien hat nun schon lange Zeit Erfahrung bei der Gewinnung von Ethanol aus Zuckerrohr. Breits vor 30 Jahren ordnete die damalige Militärregierung zum Einsparen des Rohöls an, Zuckerrohr zu Bioalkohol zu verarbeiten. Heute werden 90 Liter pro Tonne dem Zuckerrohr entlockt - mit gut 60 Litern hat man einmal angefangen.

Zuckerrohr wächst leider nur in den wärmeren Gegenden unserer Erde. Den Amerikanern mit ihrem Energiebedarf passt das nicht und deshalb will man Mais einsetzen - natürlich in großem Stil. Die Folge diese Idee war, dass daraufhin die Maispreise an den Börsen hochschnellten, was eine weltweite Verteuerung nach sich zog, obwohl mit der Produktion so richtig noch gar nicht begonnen wurde.

Viel wissen nicht, das nicht jede Pflanze gleich viel Ethanol hergibt und das ist das eigentliche Problem (0,66 Liter Benzin setzen soviel Energie frei wie 1 Liter Ethanol). Man spricht dabei auch von Energiebilanz, die beim Zuckerrohr mit Abstand die beste ist - viereinhalb Mal besser als die von Zuckerrüben oder Weizen und sieben mal besser als die von Mais. Der Irrsinn ist, wenn die USA sämtlichen Mais den sie haben, zu Biosprit machen, trägt die gewonnene Menge gerade einmal zwischen 10 und 15 % zum Energiebedarfes des Landes bei. Daran sieht man, das Problem wird nicht gelöst, die Bevölkerung der armen Länder aber in den Hunger getrieben.

Natürlich wirft der Zuckerrohranbau in Brasilien auch sein Probleme auf. Ob nun wegen dem Zuckerrohr der Urwald abgeholzt wird oder deshalb, weil die Bauern von ihrem Land vertrieben werden und diese sich neues Land über den Urwald beschaffen ist gleich. Wir sehen ein Problem gebiert das andere.

Sicherlich ist es gut Biomasse, gleich welche, in "Energie" zu verwandeln. Man muss aber die Problematik kennen und sehr ausgewogen mit dieser Thematik umgehen. Es darf einfach keiner nichts auf dem Teller haben, nur weil wir Auto fahren wollen - allen Diskussionen um das für oder wider zum Trotz.

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