19.5.08

Ich suche mich

Zu meinem vierzigsten Geburtstag wünschte ich mir von meiner Familie einen Aufenthalt im Kloster. Ich fuhr dann am Montag etwas skeptisch aber voller Erwartung los und kehrte am Samstag frohgemut, innerlich erholt, mit freiem Kopf und einer Frische zurück, die ich so nicht erwartet hatte.

Ich lass das alles mal auf mich wirken, so der nicht gerade hohe Anspruch an meinen ersten Aufenthalt und wenn ich es noch schaffe, für mich selbst festzustellen, wo ich in meinem Leben stehe, noch besser.
Zuerst empfing mich eine Ruhe, die bei meinem etwas hektischen Beruf sich wie ein wohltuendes Tuch über mich ausbreitete. Und ich genoss es. Auch die Mahlzeiten, in einem großen Raum mit anderen "Kurzbesuchern" eingenommen, verliefen harmonisch und in Ruhe.
Man lernte neue und interessante Menschen kennen sowie deren Gründe hierher zu kommen. Das schafft Atmosphäre, eine gleiche Wellenlänge und so kommt recht schnell ein Gefühl der Geborgenheit auf, was wohl auch die Männer, die hier ins Kloster eintreten, recht bald verspüren.

Morgens geht es schon recht früh los. Aber das ist kein verkrampftes Aufstehen, vielmehr freut man sich auf die Stille in der Kirche, auf das allein sein ohne Störung durch viele Menschen und vor allem auf den Gesang der Mönche. Dieser Gesang ist es, der mich nicht nur fasziniert, er hüllt ein in eine sphärisch geistige Welt der Geborgenheit und Leichtigkeit die man sonst nirgends findet. Man braucht sich nicht in eine spirituelle Vertiefung bemühen, die kommt von ganz allein. Die Gedanken fliegen einem nur zu und bald kann man trennen was zu tun und was zu lassen ist. Dann ist man "angekommen", und es braucht dann auch keine Vorträge, festgelegte Besinnungsstunden oder ähnliches mehr. Dann erholt sich Körper und Geist.

Man muss sich nur darauf einlassen, ohne große Wünsche oder Forderungen an sich selbst oder anderen gegenüber das "spirituelle Angebot" eines Klosters, das in keinem Prospekt steht, anzunehmen.

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